Projekt Friedensglocke für Europa

Die Glocke unserer Kirche ist eine so genannte „Leihglocke“. Dieser harmlose Begriff verschleiert den traurigen Hintergrund: im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges wurden im gesamten Deutschen Reich Glocken aus den Kirchtürmen geholt, um sie zur Waffenproduktion einzuschmelzen. Nach Ende des Krieges blieben rund 1.300 von den ursprünglich über 100.000 Glocken übrig. Gleichzeitig brach aber durch den so genannten Eisernen Vorhang die Verbindung zu den im Osten gelegenen Herkunftsorten der Glocken ab.
Durch die Ankunft der vertriebenen und geflüchteten Familien, die zumeist aus katholischen Gegenden kamen, entstanden in den 50er Jahren zahlreiche neue Gemeinden und wurden entsprechend viele Kirchen gebaut. Die Glocken wurden an diese Gemeinden „verliehen“.
Über 30 Jahre nach der Wende ist nun die Zeit gekommen, die Glocken zurückzugeben. Bischof Dr. Fürst hat deshalb das Projekt „Friedensglocken für Europa“ initiiert, in dessen Rahmen die „Leihglocken“ aus unserer Diözese in ihre Herkunftsgemeinden zurückgebracht werden sollen.
Dies betrifft auch unsere Glocke. Sie stammt aus einem kleinen tschechischen Dorf an der polnischen Grenze: Třebom (deutsch: Thröm). Der Ort gehört zum schlesischen Hultschiner Ländchen, das aufgrund seiner Grenzlage öfters die Herrschaft wechselte. Die Glocke, die 1511 gegossen wurde, trägt die Inschrift: „o rex glorie veni cum pace iohannes matheus marcus lucas maria ao m ccccc / xi“ (O König der Herrlichkeit komm mit Frieden, Johannes, Matthäus, Markus, Lukas, Maria im Jahr 1511). Diese Inschrift könnte für das Projekt Friedensglocken nicht passender sein! In den nächsten Monaten wird es darum gehen, Kontakt zur Gemeinde in Třebom aufzunehmen und gemeinsam mit den Fachleuten der Diözese die Rückführung zu planen.
Keine Sorge, unser Glockenturm wird aber nicht verstummen. Von der Diözese ist zugesagt, dass Gemeinden, die Ihre „Leihglocke“ zurückführen, eine neue Glocke „gesponsert“ bekommen.
Wer Interesse daran hat, an diesem Projekt mitzuarbeiten, kann sich mit Johannes Längle in Verbindung setzen (friedensglocke(at)sanktpetrus.de)

Unsere weit gereiste Glocke kehrt wieder heim

Wir wollen diesem Anliegen gerecht werden, die Glocke zurückgeben und gute Kontakte mit der tschechischen Kirchengemeinde pflegen. Diese Friedensbotschaft über die Grenzen hinweg ist unserer Kirchengemeinde sehr wichtig als starkes Symbol für den Frieden!

Die Inschrift „unserer“ alten Glocke bringt die Sehnsucht der Menschen nach Frieden zum Ausdruck, und die Menschen in St. Georg in Thröm freuen sich schon auf die Rückgabe ihrer über fünfhundert Jahre alten Glocke!

Wir möchten die Glocke durch ein richtiges Geläut ersetzen!

Gleichwohl ist uns klar, dass wir nach der Rückgabe der Glocke unseren Glockenstuhl neu gestalten müssen. Wir sind uns der Bedeutung von Glockengeläute als christliches Kulturgut bewusst und wollen diese einmalige Gelegenheit in St. Petrus nutzen, um ein harmonisches Glockengeläut mit drei Glocken im Kirchturm zu platzieren. Diese sollen auch klare Botschafter für Frieden, ein gutes Miteinander, Hoffnung und Freude sein. Wir wollen dieses ambitionierte Projekt mit neuem Glockenstuhl und Schallläden möglichst schon im Jahre 2022 umsetzen.

Hierfür müssen wir von den Gesamtkosten dieses Projektes etwa 20.000,- € an Spenden aufbringen. Denn Anschaffungen von neuen Glocken dürfen nicht alleinaus dem Etat erbracht werden. Auch die Diözese beteiligt sich dankenswerterweise mit der Übernahme der Kosten für die erste Glocke. Ergänzend hierzu wollen wir mit Benefizveranstaltungen, Festen, Spendenlauf und anderen Aktionen auf unser Herzensprojekt hinweisen. Die Restkosten für Glockenstuhl und Schallläden werden dann mit Etatmitteln der Kirchengemeinde St. Petrus ausgeglichen.

Der Kirchengemeinderat von St. Petrus steht voll hinter diesem einmaligen Projekt. Wir würden uns freuen, wenn Sie die Aktion „Friedensglocken für Europa“ zu Weihnachten mit einer großzügigen Spende unterstützen. Es wäre schön, wenn dann zu Weihnachten 2022 in unserer renovierten Kirche auch ein wohlklingendes, neues Glockengeläute die frohmachende Weihnachtsbotschaft verkündet.

Herzlichsten Dank und ein herzliches Vergelt’s Gott vorab.

Familien Längle und Keplinger (Friedensglockenteam)

Rainer Steib und Pfarrer Ulrich Skobowsky (Kirchengemeinderat

Aktueller Stand des Glockenprojektes

Was lange währt wird nun hoffentlich sehr gut! Leider musste der Glockenguss und  die Glockenweihe schon zweimal verschoben werden. Die neuen Termine für den Glockenguss der drei Glocken sind jetzt für die Friedensglocke voraussichtlich und hoffentlich endgültig am  7. 10. und der Tiegelguss für die beiden anderen Glocken am 14.10.! Für den 14.10. zum Glockenguss sind noch Plätze frei. Um beim Guss dabei zu sein, bitte melden. In der Woche danach wird das Amt für Kirchenmusik in Rottenburg, wenn die Glocken abgekühlt und nachbearbeitet sind, die Klangprüfung der Glocken vornehmen, so dass die Glockenweihe im Gottesdienst am Sonntag, den 30. Oktober unter hoffentlich großer Beteiligung stattfinden kann!

In den folgenden Novemberwochen wird dann die Installation vorbereitet. Zunächst wird die alte Leihglocke abgehängt und der alte Metallglockenstuhl samt alten Betonpfeilern aus dem Glockenturm entfernt, damit die neuen Glocken mit neuem Eichenholzglockenstuhl im Turm installiert werden können. Vielleicht kann dann unsere alte "Leih-Glocke" noch in diesem Jahr nach Thröm in Tschechien zurückgebracht werden. Dies sollte aber spätestens mit den anderen Glocken aus dem Friedensglockenprojekt der Diözese im Frühjahr nächsten Jahres erfolgen.

Das neue Glockengeläute wird sich, nach  guter Abstimmung mit den evangelischen Nachbargemeinden im guten ökumenischen Geist, sicherlich schön in den wohltuenden Vielklang der Tübinger Glockenlandschaft einbringen und dann an Weihnachten hoffentlich perfekt sein.

Unser Friedensprojekt wird voraussichtlich mit einem weiteren Benefizkonzert in unserer St. Petrus Kirche abgeschlossen!

Wir suchen noch Helfer und Mitwirkende für den Termin der Glockenweihe am 30. Oktober.