Gemeindeumfrage - Ergebnisse

Im Oktober - November 2021 haben wir die Tübinger Gemeindemitglieder nach ihrer Meinung gefragt - zu aktuellen Themen wie den Corona-Maßnahmen, aber auch allgemein zum Gemeindeleben und den kirchlichen Angeboten. Die vollständigen Ergebnisse finden Sie im PDF hier.

Wo informiert man sich über die Angebote der Kirchengemeinden?

In abnehmender Rangfolge: im Heiligs Blättle (79%), dem Internet (59%), Aushängen in und an der Kirche (46%), Tageszeitung (36%), Newsletter / E-Mail-Verteiler (25%), Gemeindeblatt, Bekannte und Mundpropaganda, Vermeldungen.

An welchen Gottesdiensten nehmen die Befragten teil?

Wenig überraschend an erster Stelle: die sonntägliche Eucharistiefeier (83%). In einigem Abstand folgen Wort-Gottes-Feiern (34%), Gottesdienste mit Schola/Orchester/Chor (31%) oder mit Band (28%), Werktagsgottesdienste (27%), Familiengottesdienste (26%), ökumenische Gottesdienste (23%). Auch Gottesdienste in kleinen Gruppen (z.B. der "andere Gottesdienst" in St. Petrus, Frühschicht, Rorate) werden mit 19% regelmäßig besucht, es folgen speziellere wie Anbetung, Taizé-Gebete, Tageszeitengebet, Rosenkranz etc. Kinder- und Jugendgottesdienste wurden nur von 7% bzw. 5% genannt – was auch daran liegen könnte, dass junge Menschen in der Umfrage unterrepräsentiert waren. 11% gaben an, keinen Gottesdienst (mehr) zu besuchen.

Welche „alternativen“ Gottesdienst-Formen würden sie gerne (öfter) mitfeiern?

39% wünschen sich mehr Gottesdienste mit ausreichend Raum für Stille bzw. Stille als Schwerpunkt. Mit 32-33% folgen Gottesdienste im Freien und mit interaktiven Elementen (Bibelteilen, freie Fürbitten, etc.). Unter den bisher kaum angebotenen Formen stoßen u.a. Gottesdienste für Zweifler (25%), Nacht der offenen Kirchen (24%), alternative Gottesdienste zu Hochfesten (21%), Lobpreisgottesdienste (16%), Gottesdienste auf Englisch / Französisch (8%) auf Interesse.
21% der Antwortenden sind zufrieden mit dem, was es gibt.

Was schätzen diejenigen, die regelmäßig an Gruppen oder Kreisen teilnehmen – und was fehlt ihnen?

48% der 63 Antworten nennen Austausch, Beziehungen, Kontakt und Freundschaft. Wichtig ist auch, den Glauben zu teilen und sich darüber auszutauschen (19%). Außerdem schätzen die Befragten die Gestaltungsmöglichkeiten und Offenheit für neue Formen (14%) sowie Musik in verschiedener Form (11%), Bibelkreise (8%) und Meditationsgruppen (6%).

Wünsche für Unterstützung äußerten 28 Personen. Mehrfach genannt wurden bessere Kommunikationsmöglichkeiten (14%), (mehr) pastorale Begleitung und persönliche Gespräche (14%), mehr Vernetzung mit Gemeinde und zwischen Gemeinden (11%), Angebote zum Verstehen der Liturgie und Bibel (7%), mehr / jüngere Leute (7%).

Welche Gründe gibt es, NICHT an Gruppen oder Kreisen teilzunehmen?

Klare Ansage der 75 Antwortenden: 32% haben keinen Anschluss und fühlen sich unwohl, "einfach so" zu einem Angebot zu kommen. Für 24% ist nicht das Richtige dabei, ebenfalls 24% haben kein Interesse. 17% wissen gar nicht, was es alles gibt, und 13% fehlt die Zeit.

Welche anderen (unregelmäßigen) Aktivitäten oder Veranstaltungen sind beliebt?

Weit vorn unter den 83 Antworten: Feste (60%), dahinter Vorträge (28%), Wanderungen (23%) und Begegnungsnachmittage (14%). Vieles weitere wurde genannt und könnte beim nächsten Mal abgefragt werden.

Zu Corona: Was können wir Positives aus dieser Zeit mitnehmen?

Erstaunlich gut kommen die Angebote im Internet und TV an (34% von 97 Antwortenden). Wichtig sind vielen auch die offenen Kirchen und Impulse dort wie Texte, Stationen, Schmuck und Pinnwände (21%). 15% loben explizit die Hygienemaßnahmen und die dabei gezeigte Kreativität, 11% gefällt die musikalische Gestaltung der Gottesdienste. 8-9% vermerken positiv, dass die meiste Zeit überhaupt Gottesdienste stattfanden und gerade in schwerer Zeit Gemeinschaft erlebbar war.
„Man/frau konnte zu sich kommen, wir rückten auseinander und doch näher zusammen.“

Was ist weniger gut gelaufen?

16% vermissten Kreativität für andere Formen außer der Eucharistie. 15% finden die Hygienemaßnahmen übertrieben und zu bürokratisch, 13% vermissen Singen, Nähe und Austausch. Kirchliche Mitarbeiter:innen schienen für 12% nicht erreichbar / sichtbar. Für 9% ist Kirche öffentlich zu wenig präsent, manche vermissen Angebote für z.B. Ältere, Alleinlebende, Kinder und Jugendliche.
„Gefühl: Kirche geht auf Tauchstation, findet nicht mehr statt“
„Ich würde mir wünschen, dass die Kirche klar Position bezieht zur Corona-Impfung.“

Was machen die katholischen Gemeinden in Tübingen insgesamt gut?

Hier sind sich die 84 Antwortenden weitgehend einig: Sie loben die Vielfalt, auch an Gottesdienstformen und Zelebranten (27%), sowie die liberale Einstellung, Offenheit und Ökumene (24%). Ebenfalls 24% gefallen die vielen aktiven Gruppen, engagierte Mitglieder und vielen Angebote. Die Einbindung von Ehrenamtlichen in Gemeindeleitung und Liturgie nennen 14%, weitere Pluspunkte sind u.a. die regelmäßigen Gottesdienste, das HeiligsBlättle, Kirchenmusik, Jugendarbeit, Kirchenraumgestaltung, Nennung der Zelebranten und der 8-Uhr-Gottesdienst in St. Johannes.
„Viele engagierte Mitglieder. Leute, die mit anpacken und vieles möglich machen. Tolles Pastoralteam!“

Was vermissen die Befragten?

Die 78 Antworten fallen sehr unterschiedlich aus. Mehrfach genannt wurden eine bessere Kinder-/Jugendarbeit (12%), Gleichberechtigung von Frauen (10%), Zugehen auf Neugierige/Skeptiker (10%), mehr Präsenz der Gemeindeleitung bzw. Hauptamtlichen (9%), Glaubenskurse / Vorträge / Bibelkreise (8%), konservative Positionen statt Maria 2.0 (8%), Angebote für sozial Schwächere, auch außerhalb der Gemeinde (6%), Vielfalt an liturgischen Formen (6%), Zusammenarbeit der Einzelgemeinden (6%), fundierte, lebensnahe Predigten (5%), Gedenken an Verstorbene im Gottesdienst oder z.B. an Pinnwand (5%), Ökumene (4%), Feste / Kennlernmöglichkeiten (4%), Präsenz in der Öffentlichkeit (4%).
„Ein bisschen mehr zurück zu den Wurzeln (Urgemeinde), weniger alte Zöpfe, die mich nicht tragen und auch die Kirche für Neugierige nicht attraktiv macht.“
„Die Gemeinde sollte noch stärker beim Bischof vorstellig werden, um geistliche Berufe und Berufungen von Frauen zu erreichen.“
„Ich vermisse einen konservativen Gegenpol in unserer Gemeinde.“

„Ich vermisse den Mut, radikal andere neue Wege zu gehen, um als Kirche für die Menschen unserer Gesellschaft überraschend lebensnahe Angebote zu machen, losgelöst von einer Kirchenzugehörigkeit.“

Große kirchenpolitische Themen machen vor den Gemeinden nicht halt. Was ist diesbezüglich hier vor Ort gewünscht?

Fast gleichauf wurden Vorträge und Diskussionen (50%), Informationen (45%) und öffentliche Stellungnahmen (44%) genannt. 18% der 144 Antwortenden haben keine diesbezüglichen Wünsche, 3% äußern Ablehnung gegenüber aktuellen Reformbewegungen.

Für welchen Bereich könnte man um zusätzliche Spenden bitten?

Am größten ist die Spendenbereitschaft für Kinder und Jugendliche (49%), gefolgt von offenen sozialen Angeboten wie der Lichterstube oder Essensgutscheinen (44%), Kirchenmusik (42%), Angeboten für Geflüchtete (35%) und Senior:innen (22%). Für Blumenschmuck, Kerzen etc. in den Kirchen würden 19% evtl. spenden, für Vorträge / Referent:innen 17%, für Kunst / Installationen in den Kirchen 15%, für Gebäudeunterhalt 12%. 17% möchten über die Kirchensteuer hinaus nicht spenden.

Sonstiges

Die 49 Rückmeldungen hier lassen sich nur schwer kategorisieren. Ein paar exemplarische:
„Unsere Ansagen gegen eine hierarchische und patriarchalische Kirche müssen klarer und härter werden.“
„Zu umstrittenen Themen wie z.B. Maria 2.0 nicht nur eine Seite der Meinung hören, sondern verschiedene Sichtweisen!“
„In Zeiten, in denen Werte auf dem Prüfstand stehen und im Licht rasanter technischer Entwicklungen neu verhandelt werden, braucht es dringend eine glaubwürdige und zukunftsfähige Institution Kirche als Heimat für den Einzelnen, als Teil des gesellschaftlichen Diskurses und als Teil unserer Kultur.“
„Ohne genügend Pfarrer kann Kirche nicht funktionieren. Deshalb: Abschaffung des Zölibats, Frauen gleichberechtigt, ...“
„Nur mit klarer Zuordnung der Organisationsverantwortung zu einem Leitungsteam werden wir die Organisation professionalisieren und des Engagement der Laien langfristig planen.“
„Einsame, Kranke und Benachteiligte in der Gemeinde werden nicht so wahrgenommen.“
„Danke für die Notfallrufnummer für Schwerstkranke und Sterbenden.“
„Einen herzlichen Dank an die Menschen, die sich sichtbar und unsichtbar am kirchlichen Leben beteiligen und offene, unterschiedliche Angebote machen.“