Kinder bringen Segen

Der goldene Stern und die bunten Gewänder mit den gelben und blauen, grünen und weißen, purpur- und silberglänzenden Tüchern und Kopfbedeckungen sind ihr weithin erkennbares Markenzeichen. Mehr als 200 Kinder und Jugendliche, begleitet von über 50 erwachsenen Helfern, waren auch in den sechs Tübinger Gemeinden rund um den Dreikönigstag als Sternsinger unterwegs. Inzwischen haben die Sternsinger ihre äußeren Markenzeichen abgelegt. Sterne und Gewänder sind gereinigt, gut verstaut und warten in Holzkisten und Pappkartons darauf, im nächsten Jahr wieder ausgepackt zu werden. Doch das entscheidende Markenzeichen der Sternsinger bleibt: Sie hinterlassen eine nachhaltige Segensspur. Das, was Kinder als Sternsinger jedes Jahr tun, ist gelebtes Christentum.

Sternsinger setzen das um, wozu jeder Christ aufgerufen ist. Sie berichten von der Hoffnung, die sie trägt. Davon wie die Botschaft von Jesus, der in einem Stall geboren, am Kreuz gestorben und von Gott auferweckt wurde, unsere Welt zum Guten verändern kann. Und wie bei Jesus selbst, mit dessen Predigt vom Reich Gottes und seiner Hilfe für Aussätzige und Sünder, das verkündete Reich schon begonnen hat, so singen und erzählen die Sternsinger nicht nur, sondern sie verändern die Welt. Da ist zum einen der Segen, den sie mit geweihter Kreide an Haus- und Eingangstüren schreiben: 20 + C + M + B + 20. Christus mansionem benedicat. Christus schütze dieses Haus. So nehmen Glaube und Hoffnung sichtbare Gestalt und Wirklichkeit an. Aber nicht nur an Türen und Häusern. Mehr noch auf den Gesichtern derjenigen, die besucht werden. Dort ist die Freude über den Besuch der Sternsinger ablesbar. Manchmal auch ungläubiges Staunen über ihre Botschaft.

Manchmal sogar Tränen der Freude oder der Rührung über den Gesang, das Auftreten und über ihre Bitte. Denn da kommen ja Kinder, die Geld für andere Kinder sammeln. Damit andere Kinder zur Schule gehen, lernen und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Das Geld fließt über das Kindermissionswerk in Aachen in vielfältige Projekte auf der ganzen Welt. Die Tübinger Spenden – insgesamt fast 35.000 Euro! – fließen über diesen Weg in Projekte, die von den einzelnen Gemeinden unterstützt werden und zu denen ein besonderer Bezug besteht. Spender und Sammler wissen so nicht nur, dass das Geld ankommt, sondern erfahren auch, was es auf Dauer bewirkt. Eine besondere Wirkung haben in diesem Jahr auch Obst und Süßigkeiten gehabt, die den Sternsingern persönlich von den Besuchten geschenkt wurden. Die Sternsinger von St. Michael haben diese Geschenke geteilt und die Hälfte an die Tübinger Tafel gegeben. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Besser kann man die biblische Botschaft kaum leben. 

Ludwig-Michael Cremer