
Das fand Kilian Wieczorek schon als Kind spannend. „Gleichzeitig hatte ich auch immer Respekt davor – sei es am Holzofen im elterlichen Haus oder beim Grillfeuer bei Wanderungen.“ Im Gespräch mit dem HeiligsBlättle berichtet der heute 43-Jährige, wie seine Begeisterung für das Element Feuer schließlich in einen Beruf mündete.
Es war nicht nur die Urgewalt der Hitze und der Flammen, die Wieczorek begeisterte, sondern auch das Drumherum, mit dem beispielsweise die Löschkräfte ausgerüstet sind. „Die roten Autos mit Blaulichtern haben mich als Kind so fasziniert, dass mein Vater mit mir nahezu alle Feuerwehrfeste in unserer Region besucht hat.“ Und die Faszination war keine Eintagsfliege, sondern hielt an. „Das war der Grund, warum ich dann bei der Jugendfeuerwehr in Tübingen Derendingen angefangen und viele Jahre lang sehr viel Freude dort gefunden habe.“ Für die Berufswahl kamen dann noch persönliche Vorbilder hinzu.
„Ein Berufsfeuerwehrmann der Wehr in Reutlingen hat mich motiviert, mich selbst bei der Berufsfeuerwehr zu bewerben.“ Wieczoreks Bewerbung bei der Stuttgarter Berufsfeuerwehr war erfolgreich und seitdem widmet er sich der Brandbekämpfung. „Die verschiedenen Formen des Feuers und die Arten, ein Feuer zu bekämpfen, der Respekt vor diesem Element, damit richtig umzugehen und selbst in Ausnahmesituationen die Ruhe zu bewahren – all das ist für mich bis heute eine stetige Herausforderung.“
Feuer, Flammen und Rauch haben für Wieczorek ihre Faszination nicht verloren, vielmehr sind noch neue Perspektiven hinzugekommen: „Was ist wie gefährlich, wie schützt man sich davor und was ist präventiv wichtig zu wissen?“ Feuerwehrleute müssen die verschiedenen Zonen bei einem Feuer in einem Raum kennen. Wo herrscht Über- und wo Unterdruck? Welche Rauchschichten gibt es? Welche Energie kann bei einem Brand entstehen und wie kann man sie bändigen?
„Feuer ist für mich nach wie vor unheimlich spannend und faszinierend“, meint der Brandprofi, der in der Tübinger Südstadt lebt, und schickt eine Warnung hinterher. „Ganz wichtig bleiben immer zwei Dinge: Feuer ist ein Element, eine Naturgewalt, die nie zu unterschätzen ist, sondern vor der wir jederzeit große Respekt haben sollten.“
Kilian Wieczorek aus Tübingen ist nicht nur Berufsfeuerwehrmann in Stuttgart, sondern auch Schwimmlehrer. www.schwimmschule-kiwi.de
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Dennis Kurzweil braucht in seiner Werkstatt keine Heizung. Denn wenn er dort arbeitet, brennen zwei Feuer. Das eine ist das Kohlenfeuer, mit dem der Kunstschmied Metall erhitzt, das er dann mit Hammer und Amboss formen und härten kann. Das andere Feuer brennt in ihm selbst – für seinen Beruf.
„In meinem ersten Beruf war das nicht so“, erzählt Kurzweil, der mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Ofterdingen lebt. „Meine erste Ausbildung als Blechschlosser habe ich zwar abgeschlossen, aber das Feuer ist nicht übergesprungen.“ Das geschah aber auf dem Göppinger Schmiedetag 2009. Am Schmiedetag erhalten die neuen Gesellen des alten Handwerks nach abgeschlossener Lehre alljährlich ihre Zeugnisse und stellen ihre Gesellenstücke vor. Die schaute sich Kurzweil an und informierte sich über den Beruf des Metallgestalters. Denn die Berufsbezeichnung Schmied gibt es offiziell nicht mehr. Stattdessen heißen Schmiede heute „Metallbauer in der Fachrichtung Metallgestaltung“. Kurzweil hat sich von der eher kühlen technischen Bezeichnung nicht abhalten lassen, sondern bewarb sich um eine Ausbildung in einer Schmiede in Meckenbeuren am Bodensee.
„Das Feuer ist der Mittelpunkt meines Schaffens,“ sagt der 39-Jährige. Indem er mehr oder weniger Luft in seine Esse lässt, indem er den Luftauslass schmaler oder breiter macht, steuert Kurzweil die Hitze des Kohlenfeuers. Ob das Schmiedestück die richtige Temperatur hat, liest er nicht an einem Thermometer ab, sondern an der Farbe des Metalls, die sich je nach Temperatur verändert. „Die Farbe hängt auch von der Art des Metalls ab, aber prinzipiell geht es von dunkelbraun über eine rötliche und orange Färbung bis zu gelb und dann zu weiß.“ Weißglut bedeutet höchste Hitze: Temperaturen zwischen 1.300 und 1.500 Grad Celsius. Wenn man „jemanden zur Weißglut bringt“, wird es also ziemlich heiß. Die Redensart hat sich aus der Welt der Schmiede tief in unseren Sprachgebrauch eingebrannt. Ebenso wie eine weitere Erfahrung: Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist.
„Es kommt beim Schmieden nicht so sehr auf die Kraft an, mit der ich Metall bearbeite, sondern darauf, den richtigen Moment abzupassen“, erklärt Kurzweil. „Es ist eine Mischung aus Erfahrung, Ausdauer und Technik, es kommt auf den richtigen Schwung an.“ Auch deshalb treffe das Bild des muskelbepackten, bärtigen Schmieds heute nicht mehr zu. „Es ist zwar immer noch eher ein Männerberuf, aber es gibt auch Frauen, die als Schmied arbeiten.“ Eine der besten habe er auf seiner gut fünfjährigen Wanderschaft kennengelernt, die ihn nach seiner Lehre durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, nach Belgien, Spanien und in einige osteuropäische Länder geführt hat. „Das war die erste Schmiedin der Schweiz. Die hatte es echt drauf und ich bin stolz, bei ihr gearbeitet und gelernt zu haben.“
In seiner eigenen Werkstatt in Ofterdingen arbeitet Kurzweil heute hauptsächlich für Kunden, die individuelle Wünsche oder Bedürfnisse haben. „Da hat jemand zum Beispiel einen gebogenen Fisch aus Metall aus Marokko mitgebracht und möchte den als Haustürgriff benutzen – als Schmied mache ich all diejenigen Dinge aus Metall, die nicht Standard sind.“ So bestand sein Gesellenstück aus einem Türklavier – einer Haustürklingel, bei der Besucher vor dem Haus eine Kurbel drehen, wodurch in einem in der Hauswand eingelassenen Kasten mehrere Klavierseiten angeschlagen werden.
Klassische Aufträge eines Schmieds heute sind Türen, Tore, Geländer, Skulpturen, Metallmöbel oder Feuerstellen. Dafür wird Stahl, Bronze, Kupfer oder Messing geschmiedet, gepresst, gebogen, gehämmert, geschweißt oder gehärtet. „Und jeder Schmied entwickelt früher oder später seinen Spezialbereich.“ Bei Kurzweil sind das Restaurierungsarbeiten. „Die Hälfte meiner Aufträge kommt inzwischen aus der Denkmalpflege.“ Der evangelische Christ hat auch schon Aufträge von Kirchen erhalten. So stammt der Opferkerzenständer in St. Michael aus Kurzweils Schmiede und macht deutlich: Wenn einer für etwas brennt, kann das die Welt wärmen und heller machen.
Dennis Kurzweil schmiedete nicht nur den Kerzenständer in St. Michael, sondern setzt individuelle Lösungen in Metall um.
Tel.: 0176/36 32 30 96 / www.metallgestaltung-kurzweil.de
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„Gott, Gott sei bei mir, sei Feuer in mir, durch deines Geistes Kraft, in mir neues Leben schaff, durch deines Geistes Kraft, durch mich neues Leben schaff’“ … diese Refrainzeile habe ich vor Jahren als damals noch junger Pastoralreferent für einen Firmsong getextet. Sie kommt mir heute wieder in den Sinn, während ich mich daran mache, diesen Text zu schreiben. Sie drückt ganz gut aus, was ich unter „Berufung“ verstehe. Das Wort „Berufung“ gehörte damals nicht zu meinem begrifflichen Repertoire. Heute muss er das schon von Berufs wegen, – wäre ja schlimm, wenn der Leiter einer „Diözesanstelle Berufe der Kirche“ nichts zu „Berufung“ sagen könnte. Aber warum damals diese Absenz des Begriffs? Ich glaube, das hatte viel mit der Engführung zu tun, die mit der Verwendung des Begriffs einherging. Er wurde häufig mit dem besonderen Weg verbunden, den Priester oder Ordensleute in der Kirche einschlugen. Nur wer sich „ganz“, „ernsthaft“, „lebenslänglich“ dem Glauben und dem Evangelium verschrieb, nur auf den oder die durfte der Begriff Berufung gefühlt überhaupt angewendet werden. Und damit war Berufung kein Wort, das man sich als zweifelnder Glaubender oder suchender junger Mensch eben mal so zu eigen machte.
Einige Jahrzehnte später erlebt der Begriff plötzlich eine erstaunliche Renaissance, verbunden mit einer heilsamen begrifflichen Weitung. Mitten in ihrer Krise entdeckt die katholische Kirche eine schlichte Grundbotschaft des Evangeliums wieder, die für einige Zeit etwas verschüttet gewesen ist. Sie lautet lapidar: Jede und jeder ist berufen, ausnahmslos und ohne Unterschied. Wow, wenn dieser Satz mal kein Feuer hat! Gott macht – in seiner liebevollen Zuwendung zu uns Menschen – keine Unterschiede, er hat keine „Lieblinge“ oder besonders Erwählte, im Gegenteil, er geht sogar noch den Verlorenen nach (vgl. Lk 15) und wartet geduldig auf unsere Antwort. Ergo: Es gibt also keine besondere Berufung (von Gott her), sondern lediglich besondere, je individuelle Antworten auf die Berufung, die an dich und mich und alle anderen ergeht. Hier zeigen sich die beiden Pole, die beim Begriff „Berufung“ in einem christlichen Sinn zusammenkommen: Ruf und Antwort, Zuspruch, Ermutigung und Loslegen, Anpacken. Berufung bedeutet, das, was man gut kann, nicht (nur) für sich zu behalten und es nicht (nur) für den eigenen Vorteil einzusetzen. Das Ziel der Berufung ist nicht die eigene Selbstverwirklichung und der eigene Erfolg, sondern biblisch gesprochen das „Reich Gottes“ schon hier auf Erden – was wir heute vielleicht mit einer „lebenswerteren Welt für alle“ übersetzen könnten (im Englischen gibt es die schöne Bezeichnung Common-wealth of God) . Diese beiden Seiten der Berufung kommen auch in meiner Liedzeile vor, die ich für die Firmung damals geschrieben hatte. Die Geistkraft, die in mir neues Leben schafft und die mir dann ermöglicht („durch mich“) an einer dem Leben dienlichen Gesellschaft an irgendeinem Punkt mitzuwirken.
Das Feuer taucht biblisch oft an genau den Stellen auf, an denen Menschen das Angesprochensein durch das Göttliche erleben: Im Buch Exodus (3,2) erscheint Mose „der Engel des Herrn in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch“. Der Evangelist Matthäus lässt Johannes den Täufer über Jesus sagen: „Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (3,11). Und schließlich wird über das Pfingstereignis in der Apostelgeschichte (2,3) berichtet: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.“ Das Feuer ist jedoch ein zwiespältiges Symbol. Auf der einen Seite steht es für Energie, für Wärme, für das Brennen und die Nähe Gottes, auf der anderen Seite ist es auch eine zerstörerische Macht. Die Bibel kennt auch das Feuer der Reinigung, des Gerichts, der Zerstörung, das Feuer der Hölle und das endzeitliche Feuer, das vom Himmel fällt.
Wie mit dem Feuer ist es auch mit der Berufung – sie ist ebenfalls ambivalent, auch bei ihr gibt es ein „zu viel“ und ein „zu wenig“. Manche fühlen sich zu klein, zu unbedeutend oder zu schwach. Sie glauben nicht, dass sie der Welt etwas geben könnten. Sie weichen ihrer Berufung gleichsam aus. Das ist im Grunde gleichbedeutend mit der Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. In Berufung steckt das Wort „Ruf“ und in Verantwortung das Wort „Antwort“. Ruf und Antwort – Berufung und Verantwortung, sie gehören untrennbar zusammen. Andere wiederum fühlen den brennenden Eifer der Berufung. Sie sind charismatisch, es gelingt ihnen, Gefolgschaft und Bewunderung zu erzeugen. Sie sind berauscht von ihrer Wirkung und merken nicht, wie sehr sie Macht über andere ausüben und keinen Widerspruch mehr dulden. Hier braucht es dringend das Korrektiv der Gemeinschaft, jemand, der die blinden Flecken spiegelt und auf die Ambivalenz der Wirklichkeit hinweist.
Am Ende dieser kleinen Reflexion über das Feuer und die Berufung fehlt noch die Anknüpfung an die Frage nach den kirchlichen Berufen. Diese können sicher nur dann ergriffen werden, wenn etwas von der oben beschriebenen Dynamik der Berufung existenziell erfahren wurde, inklusive der Bereitschaft, eine individuelle Antwort darauf zu geben. Ihre Hauptaufgabe ist es, Orte und Ereignisse zu gestalten (rituell, ästhetisch, diakonisch, kollektiv …), an denen etwas von der (allerdings unverfügbaren) Wirklichkeit Gottes erlebt werden kann. Das ist die Chance, dass Menschen wirklich ihre Berufung entdecken, die sie dann leben können: in jedwedem Beruf, an jedwedem Ort oder eben auch in der Kirche und einem kirchlichen Beruf.
Jörg Kohr ist Rektor des Ambrosianums und Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche in Tübingen: www.berufe-der-kirche-drs.de
Gap-Year zur Studienorientierung nach dem Abi: www.ambrosianum-tuebingen.de