Domkapitular Thomas Weißhaar
Wie bekommen wir einen neuen Bischof?
Bischof Gebhard Fürst ist seit 4. Dez. 2023 im Ruhestand. Wie wird der neue Bischof gefunden? 

Im Artikel 14 des Reichskonkordates ist vereinbart: »Bezüglich der Besetzung von Bischöflichen Stühlen findet auf die beiden Suffraganbistümer Rottenburg … die für den Metropolitansitz der Oberrheinischen Kirchenprovinz Freiburg getroffene Regelung entsprechende Anwendung«.

Nach Annahme des Rücktrittes hat das Domkapitel von Rottenburg die Aufgabe eine zahlen-mäßig unbegrenzte Liste von Kandidaten nach Rom zu übersenden. Dabei kann das Domkapitel auch Personen und Gremien befragen. Adressat der Liste des Domkapitels ist der Apostolische Nuntius. Dieser holt über die vorgeschlagenen Kandidaten vertraulich Informationen ein und sendet anschließend die Liste mit seinen Wertungen an die zuständige Behörde in Rom. Rom ist in seiner Erstellung der Liste an die Liste des Domkapitels nicht gebunden. Neben dieser Liste des Domkapitels gibt es noch andere Quellen von Namen für Kandidaten (zum Beispiel von anderen Bischöfen). 

Das Domkapitel erhält zur Wahl einen Dreiervorschlag aus Rom. Darunter muss ein Angehöriger der Diözese sein. Als Angehöriger der Diözese Rottenburg-Stuttgart gilt:
• ein aus der Diözese stammender Priester.
• ein Priester, der seine Studien zum Teil oder ganz in der Diözese absolviert hat oder
• ein Priester, der zumindest zeitweise im Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart gestanden hat.

Aus dem Dreiervorschlag hat das Domkapitel in freier und geheimer Wahl zu wählen. Sowohl die Namen auf der Vorschlagsliste, als auch der gesamte Wahlgang unterliegen dem päpstlichen Geheimnis. Nach dem Statut des Domkapitels benötigt ein Kandidat für die Wahl zum Bischof die absolute Mehrheit der Mitglieder des Domkapitels. Das heißt, ein neuer Bischof bräuchte mindestens sechs Stimmen um zum Bischof gewählt zu werden. Findet sich in drei Wahlgängen keine Mehrheit für einen Kandidaten, so ist eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen durchzuführen.

Anschließend muss geklärt werden, ob der Gewählte bereit ist das Amt zu übernehmen. Nimmt der Gewählte die Wahl an, so informiert der Domdekan den Apostolischen Nuntius, der – wie im Konkordat vorgesehen - in Kontakt mit der Landesregierung abklärt, ob Bedenken allgemein-politischer Art gegen den Gewählten bestehen. 

Die Bekanntgabe des Gewählten erfolgt dann zeitgleich in Rom und Rottenburg.

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Die Redaktion des HeiligsBlättle

Ergebnis der Zettelumfrage in den Gemeinden
Was wünsche ich mir vom neuen Bischof?

Neben der Stellung und originären Aufgaben eines Diözesanbischofs, der nach katholischem Verständnis sein Amt in der Nachfolge und Vollmacht der Apostel ausübt, gibt es konkrete Erwartungen und Wünsche an seine Person und Amt.

Am Wochenende 13. bis 14. April 2024 haben wir als Redaktion mit einer Zettelumfrage die Gottesdienstbesucher unserer Gesamtkirchengemeinde dazu befragt, welche Wünsche sie an einen neuen Bischof unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart haben. Wir bekamen über 120 Rückmeldungen, teils über ausgefüllte Zettel, teils online. Die verschiedenen Gemeinden haben sich in unterschiedlichem Maße beteiligt: Von einer Gemeinde kam eine einzige Antwort – von den Mitgliedern der Kroatischen Gemeinde dagegen eine Fülle von Rückmeldungen, fast alle zumindest auch mit dem dringenden Anliegen, dass die Gemeinde als Belegenheitsgemeinde erhalten bleiben möge. Zahl und Art der Antworten waren sicher auch von den äußeren Bedingungen abhängig, etwa davon, ob der Termin mit der Erstkommunion zusammenfiel. Alle Rückmeldungen haben wir sondiert, ausgewertet und einige ausgewählt, die uns geeignet scheinen, wichtige Aspekte der kontroversen Diskussion wiederzugeben.

Die geäußerten Wünsche geben ein Spiegelbild empfundener Wirklichkeit vor allem in den Ortsgemeinden wieder. Die Wünsche haben unterschiedliche innerkirchliche und gesellschaftliche Blickrichtungen, sind teils konträr, manche ergänzen sich. Zwei Blickrichtungen sind deutlich: die eine ist, dass bisher Erreichtes immer wieder neu überdacht wird, dass Veränderungsprozesse als Chance begriffen werden und nicht als Bedrohung. Veränderung wäre so im christlichen Sinne als Auferstehung zu begreifen, und diese meint nicht die Wieder-belebung des Vergangenen. Die andere ist die Rückbesinnung und das Bewahren römisch-katholischer Tradition und deren Intensivierung in ihrer Wiederbelebung. Auch andere Aspekte werden durchaus ambivalent diskutiert: Nicht überraschend an erster Stelle steht das Zuwenig oder Zuviel an Gleichberechtigung der Geschlechter, des weiteren die verschiedenen Formen von Spiritualität, einschließlich eines marianischen Zugangs zum Glauben oder das Verhältnis zu Rom. Eher an der Person des Bischofs orientieren sich Wünsche nach Mut und Empathie, nach Begegnung mit den Gemeinden und dem Ehrenamt auf Augenhöhe, einem guten Verhältnis zu jungen Menschen und einem strikten Umgang mit sexuellem Missbrauch. In diesem Spannungsfeld kommt gerade dem Diözesanbischof eine besondere Verantwortung zu, dialogische Strukturen in einer Dialogkultur zu fördern, in der die Grammatik des Glaubens gelebt und vorgelebt wird und die getragen ist im Geist des gegenseitigen Respekts und Zuhörens. Bischof sein meint, hier Brückenbauer zu sein im Dienst des Evangeliums und der Menschen. 

Die Redaktion plant, eine Delegation mit den gesammelten Rückmeldungen in Rottenburg zu übergeben – davon dann im nächsten Heft.