HeiligsBlättle 5/26
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Editorial
„Es genügt nicht, Gottes Wort anzuhören. Ihr müsst auch danach handeln. Alles andere ist Selbstbetrug.“ Das Zitat aus dem Jakobusbrief ist mir sehr wichtig. Zwar wissen heute auch katholische Theologen, dass Menschen sich nicht durch Taten rechtfertigen können oder müssen. Dafür reicht der Glaube – und der Rest ist Gnade. Aber Glaube ohne Taten? Das ist für mich hohl. Wenig glaubwürdig.

Deshalb freut es mich, dass wir in diesem Heft Menschen und Projekte vorstellen, bei denen es genau darum geht: um das Handeln aus dem Glauben. Es geht darum, die Welt gerechter zu machen, indem wir teilen. Es geht darum, Freude zu verbreiten. Es geht darum zu helfen. All das sind Auswüchse des Glaubens. Christen teilen ihre Hoffnung und machen damit deutlich: Es gibt nicht nur die schlechten Nachrichten. Wir selbst können für gute Nachrichten sorgen, weil wir Kraft schöpfen aus der guten Nachricht schlechthin, dem Evangelium.

Die vorgestellten Projekte und Menschen stehen beispielhaft für die noch viel mehr tollen Ideen, mit denen Tübinger Christen ihrem Glauben und ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen. Hoffnung bringt in Bewegung. Machen Sie mit! Lassen Sie sich von den Beispielen inspirieren. Auf Gottes Wort hören. Und danach handeln. Gemeinsam. So geht Kirche. Ihr Ludwig Cremer

Thema
Kann ich helfen?
„Kann ich helfen?“ – diese Frage klingt zunächst ganz einfach. Und doch steckt in diesen drei Worten viel mehr: Interesse, Empathie, Freude und die Bereitschaft, sich einzubringen und für andere Menschen da zu sein. Genau darum geht es beim kirchlichen Ehrenamt.
Viele Menschen engagieren sich freiwillig in den Kirchengemeinden. Sie bringen ihre Zeit, Fähigkeiten und persönlichen Interessen ein, um andere zu unterstützen und das Gemeindeleben mitzugestalten. Dabei gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, wie dieses Heft zeigt.

Kirchliches Ehrenamt ist wichtig, weil eine Kirchengemeinde davon lebt, dass Menschen füreinander da sind. Ein großer Teil des Gemeindelebens wird von Ehrenamtlichen getragen – in den Gottesdiensten ebenso wie bei sozialen und caritativen Angeboten. Sie tragen dazu bei, dass Menschen sich willkommen, angenommen und zugehörig fühlen. Ehrenamt bedeutet aber nicht nur, anderen etwas zu geben. Auch als Ehrenamtliche/r selbst kann man viel gewinnen: Man lernt neue Menschen kennen, sammelt Erfahrungen und entdeckt vielleicht Fähigkeiten, die bisher noch nicht so präsent waren. Gemeinsam mit anderen kann Glauben gelebt und gefeiert werden und die Erfahrung gemacht werden, wie wichtig Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung sind. Ein zentraler Gedanke des christlichen Glaubens ist die Nächstenliebe. Ehrenamt bietet die Möglichkeit, diese ganz praktisch im Alltag zu leben.
Natürlich kann ehrenamtliches Engagement auch Herausforderungen mit sich bringen. Es kostet Zeit und manchmal Kraft. Deshalb ist es wichtig, eine Aufgabe zu finden, die zu den eigenen Möglichkeiten und Interessen passt. Niemand muss alles übernehmen oder ständig verfügbar sein. Entscheidend ist, dass man sich freiwillig und mit Freude engagiert. Ehrenamt in der Kirche bedeutet: Glauben leben, Gemeinschaft gestalten und füreinander da sein. Vielleicht beginnt es tatsächlich mit einer ganz einfachen Frage:

„Kann ich helfen?“
Wer diese Frage stellt, macht den ersten Schritt. Jeder Mensch kann etwas beitragen – ganz gleich, wie groß oder klein, wie regelmäßig oder gelegentlich das Engagement ist. Kann ich helfen? Vielleicht wird genau meine Unterstützung genau jetzt gebraucht. Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Ideen, Fähigkeiten und Impulse einzubringen. Kommen Sie gerne auf mich zu und sprechen mich an!

Karin Gustedt | Referentin für Engagemententwicklung
07071-916321 | karin.gustedt@drs.de
 


 

Maria 2.0(St. Ägidius)
Maria 2.0 ist ein deutschlandweites Netzwerk von Aktionsgruppen. Kernforderung ist die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche, Weihe von Frauen - wenigstens zur Diakonin, eine Taufbeauftragung von Laien sowie die Eheassistenz, Abschaffung des Pflichtzölibats und die Aufarbeitung des Machtmissbrauchs. Mit bundesweiten Aktionen, Kirchenstreik und einem Thesenanschlag an Kirchentüren hat die Initiative eine intensive Reformdebatte angestoßen.
Viele, auch wir in Hirschau , fühlten sich ermutigt durch diese Initiative. An einer bundesweiten Aktion, dem Thesenanschlag im Februar 2021 nahmen auch wir teil. Wie damals Luther, so formulierte die Initiative in sieben Thesen die Visionen von Maria 2.0: #gerecht, #partizipativ, #bunt, #lebensnah, #verantwortungsvoll, #relevant. Einen Sonntag blieben wir darum der Eucharistie fern und feierten unseren eigenen Gottesdienst vor der Kirche.
In Hirschau finden bis heute 2x im Jahr Gottesdienste statt mit Texten, Musik und Gebeten, die sich an alle Reformwilligen richten. Erkennbar ist, dass mehr (junge) Frauen der Kirche den Rücken kehren, weil sie nicht an Veränderungen glauben. Das schmerzt, sehen wir uns doch in einer Verantwortung, müssen und wollen antworten, was uns im Glauben trägt. Wir  wollen Wege zeigen und vorleben. Wir stehen ein für Vielfalt, Respekt und Gleichberechtigung. Darum verkünden wir selbstverständlich in Wortgottes-Feiern das Evangelium und predigen auch dazu. Als Tübinger Gruppe sind wir Mitglied der diözesan-weiten Aktion. Wer Interesse hat, kann sich gern hier melden: maria2.0(at)katholisch-tue(dot)de
Das nächste diözesane Treffen ist online am Mittwoch, den 07.10.2026 um 19:30 Uhr. Stefanie Wahle-Holoch
 



Johannes-Kinder-Gruppe (St. Johannes)
Die „Johannes-Kinder-Gruppe“ findet jeden Montag von 12.30 Uhr bis 15 Uhr im katholischen Gemeindehaus in der Bachgasse statt, außer in den Schulferien. Es ist eine konstante Gruppe von 8 Mädchen der Silcherschule über das ganze Schuljahr hinweg. Die Auswahl der Mädchen von Klasse 1 bis 4 wird vom Schulkollegium getroffen. Initiiert wurde die Gruppe von Anke Lohrberg und Björn Hagner. Herr Hagner ist der Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen und für die Schule. Besonders ist, dass er aushilft, wenn „Not am Mann“ ist. Das Ehrenamtsteam besteht aus Elke Reichert, Susanne Fretschner-Moll, Sonja Messner und Rosina Förg-Wickert. Wie sieht die Gruppenarbeit aus? Den Auftakt bildet das gemeinsame Mittagessen am liebevoll gedeckten Tisch. Hier können Erlebnisse in einem familienähnlichen Rahmen ausgetauscht werden. Die Krönung ist der leckere Nachtisch. Gemeinsame Aktivitäten sind Basteln, Singen, Malen, Geschichten und verschiedene Spiele.  Sehr beliebt bei Kindern und Ehrenamtsteam sind die „Detektivspiele“. Die Lösung kann nur in der Zusammenarbeit gefunden werden. So wird spielerisch kooperatives Verhalten und ein konstruktives Miteinander gefördert. Es ist auch Raum für „freies“ Spiel, indem das kreative Potential jedes einzelnen Kindes sichtbar wird. Nach einem gemeinsamen Abschluss gehen die Mädchen „gestärkt“ in die restliche Schulwoche. Die persönliche, soziale und kognitive Entwicklung der Kinder über das Schuljahr hinweg mitzuerleben und mitzugestalten, ist für das Ehrenamtsteam eine sinnerfüllte Tätigkeit und eine große Bereicherung. Jede Mitarbeiterin ist mit Herzblut dabei und bringt sich mit ihren ganz individuellen Fähigkeiten und Stärken ein und trägt so zum Gelingen bei. Wesentlich ist dafür das kooperative Zusammenwirken des Teams. Rosina Förg-Wickert
 


 

Besuchsdienst (St. Michael)
Die Besuchsdienste für Senior:innen versuchen eine Brücke zwischen den älteren Gemeindemitgliedern und der Kirchengemeinde zu sein. Zum Geburtstag überbringen die Ehrenamtlichen einen Glückwunschbrief und Grüße des Pfarrers und der Kirchengemeinde zusammen mit einem kleinen Präsent. Die Besuchsdienst-Teams treffen sich regelmäßig zum Austausch und zur Fortbildung. Eine lange Tradition hat der Besuchsdienst in St. Michael. Seit 50 Jahren werden Gemeindemitglieder ab ihrem 80. Geburtstag zu jedem Geburtstag sowie zu Ostern und Weihnachten zu Hause oder in den Pflegeheimen Samariterstift und Hechinger Eck besucht. Die Senior:innen nehmen die Besuche mit großer Dankbarkeit an und freuen sich über die persönliche Begegnung. Die Ehrenamtlichen spüren, wie ganz besonders den Alleinlebenden ein paar Worte guttun. Durch gesundheitliche und/oder altersbedingte Lebenseinschränkungen ist es den meisten nicht mehr möglich, an den Angeboten und Aktivitäten in der Gemeinde teilzunehmen oder selbst weiterhin aktiv tätig zu sein. Ähnlich wie in St. Michael findet der Besuchsdienst in St. Ägidius, St. Johannes und St. Petrus statt. In St. Paulus werden die Bewohner:innen des Luise-Wetzel-Stifts von einem ökumenischen Besuchsdienst der St. Paulus-Gemeinde und der Alber-Schweitzer-Gemeinde besucht. Soweit möglich begleitet das Team die Bewohner:innen auch bei Spaziergängen und zu Gottesdiensten. Wenn Sie älteren Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken möchten, wenden Sie sich gerne an das jeweilige Pfarrbüro. De Teams freuen sich auf Unterstützung. Andreas Nusche
 



Fairer Laden / Kinderbücherei(St. Pankratius)
Wir sind ein Team von etwa zehn Ehrenamtlichen, die sich um Einkauf und Verkauf des Fairen Ladens kümmern, sowie um den Betrieb der Kinder- und Jugendbücherei im alten Backhaus. Beim Fairen Laden erhalten wir unsere Waren vom Weltladen in Rottenburg. Das sind in der Hauptsache Kaffee und Tee, Schokolade und andere Süßigkeiten, Reis, Honig und Gewürze. Den größten Teil unserer Arbeit nimmt die Bücherei in Anspruch. Wir versuchen in Sachen Bücher für Kinder bis 10 Jahre immer auf dem neuesten Stand zu sein, besorgen Neuerscheinungen, Fortsetzungen von Serien oder ersetzen Exemplare. Das können wir mit Spenden und dem Zuschuss der katholischen Kirchengemeinde meistern. Bei größeren Investitionen fragen wir auch bei der Ortsverwaltung, der evangelischen Kirche oder dem Frauenbund nach. Wir erreichen sowohl Bühler als auch Kilchberger Einwohner. Vor allem auch für neu Zugezogene ist das alte Backhaus ein gern genutzter Treffpunkt, ältere Kinder kommen alleine zum Schmökern oder Eltern lesen vor, bevor Bücher zum Ausleihen gewählt werden. Darüber hinaus machen wir Vorleseaktionen und veranstalten ein Faires Frühstück. Die Arbeit im Lädle und Bücherei macht uns allen Spaß, nicht nur weil wir hinter dem Konzept des fairen Handels stehen und Bücher lieben, sondern weil wir persönlichen Kontakt mit den Kindern, den Eltern und den Kundinnen und Kunden haben. Annelie Bauder
 



Gemeindeprojekt CHANCE (St. Paulus)
Pfarrer Ramesh aus Indien und Rudolf Scherer sind die Drahtzieher eines Projekts der St.-Paulus-Gemeinde, in dem es um bessere Lebensbedingungen für arme Familien im Dorf Thumbur im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu geht. Pfarrer Ramesh, der aus diesem Dorf stammt, brachte die Idee mit, als er hier promoviert hat. Rudolf Scherer gründete den Freundeskreis Thumbur, der mit verschiedensten Aktionen über das Projekt CHANCE informiert und Geld dafür sammelt. Im Kern geht es darum, Kindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen und damit die dauerhafte Grundlage für Entwicklung und bessere Lebenschancen zu legen. Für die fünf- bis sechsjährige Schulausbildung werden deshalb die Fahrtkosten zur Schule oder eine Internatsunterbringung finanziert. Für ein Kind im Internat werden pro Jahr 240 Euro benötigt. Derzeit werden etwa 30 Kinder gefördert. Das Projekt wird auch vom Kindermissionswerk in Aachen unterstützt, indem die Spenden, welche die Sternsinger erhalten, für die Patenschafen genutzt werden. Bei den geförderten Kindern handelt es sich um Kinder der untersten Kaste, die besonders arm und benachteiligt sind. Im Rahmen des Projekts werden auch weitere Dinge gefördert, wie ein Lernzentrum, in dem sie Hausaufgaben machen können und wo auch Religionsunterricht stattfindet. Seit der Corona-Pandemie wurde das Projekt erweitert, um die medizinische Versorgung der Familien zu verbessern. Neben diesem Projekt gibt es in Tübingen weitere Aktionen von Kirchengemeinden, bei denen es darum geht, solidarisch zu teilen und zu mehr Chancen und Gerechtigkeit beizutragen. Wer sich beteiligen oder spenden möchte oder Infos braucht, kann für CHANCE eine E-Mail schreiben an indien@sanktpaulus.de. Weitere Infos über dieses oder andere Gemeindeprojekte gibt es bei Karin Gustedt (Telefon: 07071 – 916321. E-Mail: karin.gustedt@drs.de).
 



Ökologie / KGR (St. Petrus)
Umweltfreundlicher Strom von einer Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach – das wäre doch ein guter Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung. So dachte auch der Kirchengemeinderat der Petrus-Gemeinde – und zwar bereits in seiner vor-vor-letzten Periode. Allein: Die Bauordnung der Diözese erlaubte Photovoltaik zwar auf Dächern von Gemeindehäusern, Pfarrbüros oder sonstigen Gebäuden. Nicht aber auf den Dächern von Sakralgebäuden – sprich Kirchen. Es folgten Schreiben unsererseits nach Rottenburg – auch direkt an Bischof Gebhard Fürst. Irgendwann – man weiß nicht, welche Rolle wir dabei spielten – wurde dann die Bauordnung geändert. Nun galt es einen Partner zu suchen, weil wir nicht selbst eine Anlage finanzieren wollten und konnten, aber bereit waren unser Dach für umweltfreundliche Stromerzeugung zur Verfügung zu stellen. Zunächst führten wir Gespräche und Verhandlungen mit den Tübinger Stadtwerken. Dabei war es sehr nützlich, dass wir mit Thomas Gauggel einen Architekten in unseren Reihen hatten, der Vertragsentwürfe kritisch prüfen und wichtige ergänzende Hinweise geben konnte. Aber dann riss der Kontakt zu den Stadtwerken plötzlich ab und gleichzeitig entstand eine kircheneigene Betreibergesellschaft von Photovoltaikanlagen auf Kirchengebäuden – die KSE Energie GmbH, gegründet von den vier katholischen und evangelischen Kirchen in Baden-Württemberg, zu der wir dann wechselten. Stefan Zimmermann war in der Durchführung die wichtigste Person, die die Realisierung, bei der selbstverständlich doch einige Schwierigkeiten auftauchten, begleitete. Ich, als KGR-Vorsitzender, war eigentlich nur die Stelle im Hintergrund, bei der die Dinge zusammenliefen. Insgesamt ist das Projekt ein gutes Beispiel, wie mit ehrenamtlicher Beharrlichkeit über Jahre am Ende doch Ergebnisse erzielt werden können. Rainer Steib