HeiligsBlättle 1/22
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Lieblingspsalme

Psalm 121 
Der treue Menschenhüter

1 Ein Wallfahrtslied. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? 2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. 3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. 4 Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. 5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, 6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. 7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. 8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Diesen Psalm habe ich durch das Singen des Oratoriums „Elias“ von Mendelssohn Bertoldy kennen und schätzen gelernt. Auch als Bergwanderer begleitet er mich bei jedem Schritt in hochalpinem Gelände. Gerade dort bewundere ich die Schönheit der Schöpfung, bin mir aber auch der Gefahren bewusst. Im vergangenen Sommer habe ich eine Überschreitung eines Gipfels mit Kletterpassagen durchschritten. Natürlich gehört dazu Kondition und Technik. Mindestens genauso wichtig ist aber das (Selbst-) Vertrauen auf das Finden der richtigen Schritte und Griffe. Ebenso warten jeden Tag Situationen in Beruf und Familie auf mich, in denen ich sicher Schritte wagen darf. Nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit dem Mund können mir „Schritte“ (Wörter) entgleiten, die nicht passend sind oder andere verletzen. Deshalb vertraue ich in diesen Situationen voll auf die Führung des Herrn, dass ich dort angemessen agiere und reagiere. Er schenkt mir immer wieder Ruhe, Entspannung, Kraft und Zuversicht.
Prof. Dr.-Ing. Paul Helmut Nebeling

Psalm 8
Der Psalm stellt an zentraler Stelle – im fünften von zehn Versen – die entscheidende Frage für das Verhältnis der Menschen zu Gott: »Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du seiner dich annimmst?« Das ist keine Aufforderung zu menschlichem Hochmut gegenüber der Natur, der von Gott geschaffenen, belebten und unbelebten Natur, die im Psalm vor und nach dieser Mitte gepriesenen wird. Sondern Anlaß zu Nachdenklichkeit: Gibt es ein besonderes Verhältnis Gottes zum Menschen? Was bedeutet Gottes Auftrag an die Menschen innerhalb seiner Schöpfung? Wir haben den Psalmvers vor vielen Jahren unserem ältesten Sohn als Taufspruch mit auf den Weg gegeben.
Barbara Wiedemann, Literaturwissenschaftlerin

Psalm 23
In Margarethe von Trottas Film „Das Versprechen“, der mir sehr am Herzen liegt, geht es um den kirchlichen Widerstand gegen das SED-Regime. Die Pastorin Barbara verliert ihren Geliebten durch Schüsse an der Mauer. Sie selbst will nicht in den Westen abgeschoben werden, weil sie ihren Kirchenkreis nicht allein zurücklassen kann. Unter Tränen predigt sie und betet Psalm 23, um diesem Verlust (irgendwie) standzuhalten. Wie Eva Matthes als Barbara diesen Psalm spricht, gerade Vers 4 –…und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich – berührt einen tief. Auch Franz Schubert hat diesen Psalmvers in einem ganz besonderen Chorstück erlebbar gemacht: Es wird für einen Moment hörbar dunkel und kalt, dann kommt das Helle zurück…
Ulrike Geist, Lyrikhandlung am Hölderlinturm

Ein Psalm,oder nicht?
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 
Das sogenannte Gelassenheitsgebet wurde von dem Amerikaner Reinhold Niebuhr wohl zur Zeit des Zweiten Weltkrieges verfasst. Als ich gebeten wurde, meinen Lieblings-pssalm für „Heiligs Blättle“ zu kommentieren, sagte ich nicht sonderlich bibelfester Mensch, in der Annahme, das obenstehende Gebet sei ein Psalm, gerne zu. Ich freue mich daher sehr, mich etwas außer der Reihe über meine Gedanken zu diesen sehr schönen Zeilen äußern zu dürfen. Sie wurden in Zeiten großer Unsicherheit und weltgeschichtlicher Umbrüche verfasst und spiegeln den Wunsch des Menschen wider, sich in den Umständen, in denen sie sich wiederfinden, zu orientieren. Menschen können und müssen oft viel ertragen, sei es Krankheit, soziale Unsicherheit oder gar der Verlust eines lieben Menschen. Manche Dinge will der Zufall oder das Schicksal oder eine höhere Macht. Sie sind bereits geschehen oder unausweichlich. Hier hilft kein Widerstand, nur Akzeptanz und Verarbeitung. Das Gebet ruft aber gleichzeitig dazu auf, nicht alles hinzunehmen, sondern Dinge, die man durch eigenes Tun beeinflussen kann, auch anzugehen. Dies beginnt im Kleinen beim Spaziergang, wenn man eine liegen gelassene Plastiktüte auf dem Feldweg nicht mit Verachtung derer, die die Natur verschmutzen, liegen lässt, sondern sie, auch wenn man sich die Finger schmutzig macht, zum nächsten Mülleimer bringt. Man kann auf Menschen schimpfen, die Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, die einem nicht recht sind oder man kann selbst die Initiative ergreifen und mit den eigenen Möglichkeiten, und seien diese auch noch so klein, versuchen in seinem eigenen Umfeld, der Gemeinde, der Stadt, dem Land die Dinge zum Besseren zu wenden. Es gibt besonders mutige Menschen, die ihre Gesundheit, Freiheit oder gar ihr Leben für Veränderung einsetzen. Dieser Mut ist nicht jedem gegeben, aber auch die kleinen Taten haben Wirkung. Seine Grenzen kennen und das Schicksalhafte akzeptieren erlaubt es, die eigenen Kräfte auf das Änderbare zu fokussieren. Menschen, die diese Eigenschaft besitzen, kommen für sich selbst nicht nur gelassener durchs Leben, sie machen, dann, wenn Sie
den erbetenen Mut einsetzen, die Welt auch für andere lebenswerter. Gerade in diesen Zeiten der aufgeregten und uninformierten Lautheit in der der Gemeinsinn wenig gilt, würde ich mir wünschen, dass für möglichst viele dieses Gebet in Erfüllung geht. Adrien Daigeler

Psalm 23 oder Psalm 139?
Was ist Dein Lieblingsspalm? Keine Ahnung. Welche Psalmen kenne ich überhaupt? Ach ja. Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte.“ Unsere Kinder besitzen ein wunderbar illustriertes Buch über diesen Psalm, der Gott als Beschützer beschreibt. Soll ich es mir einfach machen? Nein. Die Frage nehme ich zum Anlass, mal die Psalmen zu lesen. Erfreut, weil „Frieden“, „Gerechtigkeit“ und die „Güte“ des Herrn besungen werden, seine Hilfe gegenüber Armen und Schwachen. Erschreckt, wenn es um den Umgang mit den „Feinden“ geht. Das alles von Menschen, die Gott anrufen – dankend, vertrauend, bittend, fordernd – in unterschiedlichen Lebenslagen. Ich bleibe hängen – bei Psalm 139. In keinem ist Gott persönlicher, näher.  „Herr, du erforschest mich und kennest mich. … Du verstehst meine Gedanken … .
… hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“ Ich lese bis zum Ende. Erschrecke. Vielleicht bleibe ich doch bei Psalm 23. MdB Dr. Martin Rosemann

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Psalmen sind Psalmen sind Psalmen

Was ist Lyrik? Was sind Psalmen, was ist der Psalter? Und ob Psalmen Lyrik sind? Lyrik – das ist neben Drama und Prosa die dritte literarische Gattung, sie bringt Gedichte, mehr oder weniger in Versform geschrieben. Psalmen wiederum sind Klage- oder Jubelpoesie, sind Hymnen, Gedichte von Dank und Freude und Gedichte von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, meist ungereimt. Der Psalter in der Bibel zuletzt ist ein alttestamentliches Buch, ist eine jahrtausendealte Sammlung solcher Gedichte. Immer wieder aufs neue übersetzt und verlegt. Ein literarisch-lyrisch-religiöser Dauerbrenner.

So etwa kann man die Eingangsfrage in wenigen Worten und nüchterner Sachlichkeit bestimmen. Viel schöner, viel sinnlicher aber scheint mir da Paul Celans Bild, was Gedichte (und damit auch Psalmen) denn darüber hinaus noch sind: eine Art Flaschenpost [...], aufgegeben in dem  gewiß nicht immer hoffnungsstarken  Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht.“

Und ja, Psalmen sind mir genau solche „Herzlandgedichte“: sie verlaufen sich nicht ins Blaue, nicht ins Irgendwo. Vielmehr haben sie einen ganz besonderen Anlass und ein ganz bestimmtes, wenn auch wiederum nicht genau zu bestimmendes Gegenüber: sie erzählen von IHM – oder richten sich gar direkt an IHN,
 an Gott, den Herrn. Psalmen sind wie Notate aus der Sprechstunde mit IHM.

Als Meßdiener vor dem zweiten Vaticanum hat man mit dem Priester Verse bzw. Versatzstücke aus den Psalmen lateinisch aufgesagt – und es gibt nicht wenige (wie zum Beispiel den verstorbenen großen Tübinger Literaturwissenschaftler Paul Hofmann), die ihre Liebe zur Lyrik erklärtermaßen als Meßdiener gelegt bekamen. Nicht anders Arnold Stadler, der Übersetzer, der Büchner-Preisträger. (Von ihm nehme ich den gleich folgenden Gedanken auf, weil Meßdiener war auch ich einmal.) 

So ging damals das „Stufengebet“ der Messe, Psalm 43, im Wechsel von Zelebrant und Ministrant: Der Pfarrer: „Introibo ad altare dei“. Der Meßdiener: „Ad deum qui laetificat iuventutem meam.“ („Zum Altare Gottes will ich treten / zu Gott, der mich erfreut von Jugend an.“) Ähnlich bei Beerdigungen, Psalm 130, erst das „De profundis clamavi ad te, Domine“ des Pfarrers und darauf das „Domine, exaudi vocem meam.“ des Meßdieners. („Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir / Herr, höre auf meine Stimme.“) Nicht daß man als Drittklässler immer so genau verstand, was man da vom Pfarrer hörte oder  selber so aufsagte, – aber für immer im Ohr geblieben ist das Gesagte allemal. Eigentlich also sind Psalmen existentielle Gedichte, „Beziehungsgedichte“, „Vergewisserungsgedichte“ der Juden, später auch der Christen an Gott, für Gott, über Gott. In ihnen geht‘s gleichsam um alles, was Leben ausmacht. In guter Zeit, in schlechter Zeit, im Kleinen wie im Großen: wenig Menschliches ist ihnen fremd. Sie kommen von Herzen, sind existentiell, drängen nach außen. Halb gesprochen, halb gesungen, „psalmodiert“. 

Von Theodor W. Adorno ausgelöst, gab es im mittleren Nachkriegsdeutschland einmal eine Debatte darüber, ob es überhaupt möglich oder nicht doch barbarisch sei, nach Auschwitz noch dichten zu wollen. Nun, ihre eigenen Antworten darauf gaben etwa Ilse Aichinger, Hilde Domin, Mascha Kaléko, Nelly Sachs, Paul Celan, auch die Theologin und Dichterin Dorothee Sölle und zudem noch die drei Dichterpfarrer Kurt Marti, Thomas Weiß und Helmut Zwanger, der Tübinger – und, natürlich, andere mehr. Und, so scheint‘s mir, manche ihrer Gedichte lesen sich wie auf den Kernpunkt gebrachte, ganz gegenwärtige Psalmen. Und einer aber, Said Mirhadi, der große Lyriker SAID, 1947 in Teheran geboren, 2021 in München gestorben, schrieb ganz entschieden solche „Psalmen“ – und der folgende hat‘s mir sehr angetan:
„herr
ich suche dich
mach daß diese suche nie aufhört
siehe
sie bedrängen mich von allen seiten
die gottesbesitzer
doch befragen sie nie ihren gott
denn sie fürchten seine antwortlosigkeit
ich aber vertraue meinem gebet
dem alten brandstifter
der auf der suche nach einer neuen behausung
die alten häuser verrät“

Und noch eine Probe aus Arnold Stadlers Versuch auf Psalm 77:
„Ich werde zu Gott schreien und
rufen und schreien, solange,
bis er mich hört.
Heute such ich ihn, heute, es ist Nacht,
meine verzweifelten Hände!
Meine trostlose Seele!
Denk ich an Gott bei Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht!
Meine Seele will verzweifeln.“

Liebe Leserin, lieber Leser, verzweifeln Sie nicht. Lesen Sie gegen Schlaflosigkeit und Verzweiflung die Psalmen. Die alten – und die neuen. Oder mit den Worten des Predigers Abraham a Santa Clara: „Ein gutes Büchel ist der Seel ein Küchel, womit sie sich ernährt“ ...
Hubert Klöpfer

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Die Welt der Psalmen in der Musik

Die Psalmen des Alten Testaments gehören von Beginn an zum lebendigen Glaubensgut der frühen christlichen Kirchen. Psalmen werden gelesen, gemurmelt, rezitiert oder gesungen. Ägyptische und syrische Mönche des 3. Jahrhunderts gehören zu den ersten Christen, welche die biblischen Psalmen als bevorzugte Meditations-, Gesangs - und Gebetstexte innerhalb der Liturgie benutzen. Aspiranten auf die Aufnahme in ein Kloster mussten den Psalter auswendig lernen, da auf ihm die klösterlichen Gebete basierten. Um das Jahr 540 dann verfügte der Mönchsvater Benedikt von Nursia in seiner Klosterregel, dass alle 150 Psalmen innerhalb einer Woche gebetet werden sollten. 

Unter „Beten“ muss man sich freilich immer eine „Kantillation“ vorstellen, also eine Art feierlichen Sprechgesangs, wie wir ihn auch heute noch in den klösterlichen Stundengebeten erleben können. In diesen Melodien reicht die Kontinuität des einstimmigen Psalmengesangs über zweitausend Jahre. Noch in unserem Gesangbuch Gotteslob von 2013 werden die Psalmen auf Melodien gesungen, die seit mehr als tausend Jahren überliefert sind: ein Schatz, den es – bei aller Pflicht zur Modernisierung der Kirchenmusik – zu wahren gilt.

Aufgrund der besonderen literarischen Form der Psalmen, des Parallelismus membrorum, bei dem zwei aufeinanderfolgende Zeilen zusammen immer einen Gedanken konstituieren, hat sich für die Psalmen eine besondere Art des Singens herausgebildet, das wechselseitige Psalmodieren zwischen zwei Gruppen, auch „antiphonales“ Singen genannt. Wir pflegen diese Form des Singens heute noch in den Tagzeitenliturgien unseres Gesangbuchs. Im Laufe des 16. Jahrhunderts entwickelten sich daraus kunstvolle mehrstimmige Kompositionen (berühmt: das „Miserere“ von Gregorio Allegri). Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstand in Italien dann das mehrchörige Musizieren, bei dem die Musikgruppen auf verschiedenen Emporen verteilt eine grandiose Raumwirkung entfalten konnten. Berühmte Beispiele sind die Psalmvertonungen der Marienvesper (1610) von Claudio Monteverdi oder die Psalmen Davids (1619) von Heinrich Schütz.

Aber auch in der konzertanten Musik späterer Jahrhunderte generieren die Psalmtexte große Werke: Arnold Schönbergs Vertonung des hebräischen Psalm 130 (1950, op. 50c), Igor Stravinskijs Psalmensinfonie (1930) oder Leonard Bernsteins Chichester Psalms (1965) sind Höhepunkte der Sakralen Musik des 20. Jahrhunderts.

Während der Psalter sich als Grundlage des gemeinsamen täglichen Gebets in den Klöstern etablierte, fand das Psalmgebet auch Eingang in die Gemeindeliturgie. Von Augustinus wird bezeugt, dass zwischen den Lesungen Psalmen gesungen wurden. Dieser Brauch wurde in der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils wieder aufgegriffen: Der Gesang des Antwortpsalms nach der alttestamentlichen Lesung geht auf diese Tradition zurück. 

Bei der Ausführung der Gesänge geht man von einer sogenannten responsorialen Singweise aus. Hier singt der Solist (oder die Schola) eine Reihe von Versen, denen jeweils eine Antwort der Gemeinde (Kehrvers) folgt. Die musikalisch stilistische Bandbreite reicht dabei von der unverzierten Rezitation bis hin zu reich ausgeschmückten, virtuosen Gesängen, wie sie das Gregorianische Repertoire des 10. Jahrhunderts auch schriftlich festhält.

Für die reformatorischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts wird der Gesang der ganzen Gemeinde zum Markenzeichen der Gottesdienste. In diesem Zug entstehen Psalmlieder, Übertragungen des Psalmtextes in Vers und Reim, die sich heute noch in den Gesangbüchern beider Konfessionen finden. Allen voran sind es die Lieder des Genfer Psalters, der von Johannes Calvin veranlasst wurde: Alle 150 Psalmen sollten einstimmig oder in vierstimmigem homophonem Satz von der Gemeinde gesungen werden. Ambrosius Lobwasser schuf 1573 die erste deutsche Übersetzung des auf französisch verfassten Genfer Psalters. Sie hielt sich inhaltlich streng an die biblische Vorlage und das französische Original. Lieder wie Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385) sind bei uns immer noch bekannt. 1582 veröffentlichte Caspar Ulenberg in Köln einen eigenen katholischen Psalter. Die Melodien sind zum Teil aus dem Genfer Psalter übernommen, zum Teil eng an das Vorbild angelehnte Neukompositionen. Einige davon sind heute noch im Gotteslob enthalten, so Nun lobet Gott im hohen Thron (GL 393) oder Herr, dir ist nichts verborgen (GL 428). Da es schlichtweg keine Lebensrealität gibt, vor der die Psalmen die Augen verschließen, entstanden auch in den letzten Jahren immer wieder Lieder wie Tief im Schoß meiner Mutter geborgen (GL 419), Ich seh empor zu den Bergen (GL 847) oder Ich will dich rühmen mein Gott und König (GL 833), welche die Aktualität der fast 3000 Jahre alten Texte belegen.
Wilfried Rombach